Sich zu sehr auf den Notfall-Fonds verlassen

Verbrannte Geldscheine

Dank an epSos .de für das Bild. (Lizenz: CC BY 2.0)

So paradox es klingt: manchmal ist es ein Problem, ungenutztes Geld in der Hinterhand zu haben. Man wird dazu verleitet dieses Geld auszugeben. Aber was passiert, wenn der Notfall-Fonds für den eigenen Komfort geplündert wird und ein echter Notfall eintritt?

Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.

Was soll das Zitat bedeuten? Wer Rücklagen hat, nutzt diese rücksichtslos aus. Ein beliebter Fall ist der Notfall-Fonds.

Angenommen, dein Auto benötigt eine Reparatur über 1.000 Euro und du hast keine Rücklagen. Das ist bitter. Du könntest die Werkstatt fragen, ob die Reparatur in Raten bezahlt werden kann – was prinzipiell Schulden machen bedeutet. Oder den Schaden der Versicherung melden, wodurch sich die Schadenfreiheitsklasse verschlechtert und man jahrelang mehr Prämie bezahlen muss.

Du wirst aber auch deine Ausgaben zurückschrauben und Unnötiges streichen. Keine Besuche mehr bei Starbucks, kein Lotto, vielleicht muss sogar der Urlaub gestrichen werden. Das sind gute Reaktionen, um einer solchen Krise zu begegnen. Das Problem ist: viele Menschen die Rücklagen haben interessieren diese Lösungen nicht. Sie würden die 1.000 Euro aus ihrem Notfall-Fonds nehmen und einfach weitermachen.

Das gleiche passiert, wenn eine unerwartete Rechnung im Briefkasten liegt. Dann wird die Rechnung für das Kabelfernsehen einfach dank der Rücklagen bezahlt. Oder die neuen Schuhe werden damit beglichen – schließlich hat man das Geld. Notfälle treffen immer nur die Anderen.

Die Wahrheit ist: echte Notfälle haben eine extreme Einwirkung auf dein Leben. Wenn du dir wegen Arbeitslosigkeit keine Wohnung oder kein Essen leisten kannst. Das nenne ich einen Notfall. Zwar gibt es in Deutschland auch noch ein soziales Sicherungsnetz, aber würdevoll leben kann man durch diese Unterstützung nicht. Sie hilft auch nicht, wenn du und deine Familie aus eurem Haus ausziehen müsst, weil ihr den Kredit nicht mehr bezahlen könnt.

Dafür ist ein Notfall-Fonds da – wie der Name schon sagt. Er ist definitiv nicht dafür bestimmt, den eigenen Komfort zu finanzieren. Keines der ganz oben genannten Beispiele ist ein Fall für den Notfall-Fonds – auch wenn man über die Autoreparatur streiten kann.

Sind unerwartete Rechnungen ein Problem, dann musst du grundsätzlich an deinen Ausgaben etwas ändern. Dein Budget muss so ausgerichtet sein, dass jeden Monat Geld übrig bleibt, das du auf die Seite legen kannst. Erst solltest du damit deinen Notfall-Fonds bis zum gewünschten Limit auffüllen. Danach kannst du damit deine Schulden tilgen und dann, wenn du schuldenfrei bist, werden die Überschüsse investiert.

Wenn einmal ein Zahlungsproblem eintritt, nutze diese Flexibilität. Streiche unnötige Ausgaben, mache nur absolut nötige Einkäufe und bezahle die Rechnung. „Mund abputzen, weitermachen!“ Auf diese Weise, wenn ein wirkliche Notfall eintritt, hast du deine Rücklagen zur Hand und kannst diese Krise bewältigen.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Manuel,
    Finde Du bringst eine Interessante Facette auf, nämlich welche Ausgaben gegen den Notfallfonds gehen (was ist wirklich ein Notfall?) bzw. auch wie der Notfallfonds im Verhältnis zum laufenden Monatlichen Budget steht.
    Du hast auch aus meiner Sicht völlig recht, dass nach normalem Lauf der Dinge der Notfallfonds nicht angetastet werden sollte. Eine Autoreparatur könnte man durchaus als normalen Lauf der Dinge, gerade bei einem alten Auto, ansehen. Insofern muss das laufende Budget dafür herhalten. Die Subvention der laufenden Ausgaben aus dem Notfallfonds ist fatal, da so die Transparenz und Kostenwahrheit zu den laufenden Ausgaben verwaschen wird.
    Mein Tipp wäre daher wirklich, den Notfallfonds so zu handhaben, dass er grundsätzlich gar nicht angetastet wird und auch die Fälle des Rückgriffs eindeutig definiert werden, z.B. Jobverlust, Krankheit und Pflegebedürftigkeit eines nachen Angehörigen, etc.
    Hier auch noch der Link zu meinem Artikel zum Notfallfonds, vielleicht führt der hier ja auch weiter: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/09/08/notfallfonds/
    Viele Grüße,
    FF

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