Was ist ein Notfall-Fonds und wie wird er angelegt

Regen

Vielen Dank an Vinoth Chandar für das Bild.

Unsere Großeltern hatten Geld im Sparstrumpf oder unter der Matratze versteckt, welches nur im Notfall ausgegeben wurde. Und auch heute hat dieser „Notgroschen“ noch seine Existenzberechtigung – in diesen unsicheren Zeiten vielleicht sogar mehr den je. Ich möchte euch zeigen, welche Vorteile eine finanzielle Rücklage für Notzeiten bringt, wie ihr die Größe dafür bestimmt und diese sicher anlegt.

Vor einigen Jahren machte meine Waschmaschine schlapp. Das war erstens schlecht, da die Wäsche sich schon stapelte. Das zweite Problem war jedoch, dass ich mir keine neue Waschmaschine leisten konnte. Mein Konto war leer und Rücklagen nicht vorhanden. So wie es vielen geht, die mit Anfang 20 gerade erst bei den Eltern ausgezogen sind. Glücklicherweise konnte ich meine Wäsche bei einem Freund waschen. Der half mir auch eine gebrauchte Waschmaschine in meine Wohnung im dritten Stock zu schleppen, die ich bei einer Wohnungsauflösung für wenig Geld kaufen konnte.

So wie damals meine Waschmaschine gehen heute täglich tausende Geräte kaputt. Früher war nicht alles besser, aber es wurde mehr Wert auf Qualität gelegt. Es war wichtig für die Menschen, defekte Maschinen zu reparieren und nicht einfach wegzuwerfen. Heutzutage hat bestimmt jeder schon von geplanter Obsoleszenz gehört. Dabei werden bewusst Schwachstellen in Produkte eingebaut, damit diese nach einer bestimmten Zeit defekt sind. Dabei ist es im Grunde egal, ob es sich um einen billigen Föhn handelt oder einen teuren Laptop.

Aus diesem Grund ist es ratsam, sich Geld für den Notfall auf die hohe Kante zu legen. Denn Notfälle können immer passieren. Es lässt sich natürlich darüber streiten, was als Notfall eingestuft werden kann und was nicht. Hier sollte jeder seine eigenen Maßstäbe setzen und jeden Fall genau abwägen.

Haltung des Lebensstandards

Für mich tritt ein solcher Notfall ein, wenn die Existenz gefährdet wird. Darunter fallen unter anderem die oben erwähnte Waschmaschine (stinkende und dreckige Kleidung) und Laptop (Arbeitswerkzeug, Kommunikationsmittel), das Auto (auf dem Land notwendig) oder Arbeitslosigkeit. Vor allem der letzte Punkt ist heutzutage nicht zu unterschätzen. Wenn du heute deinen Job verlierst, wie viele Monate kannst du deinen Lebensstandard halten ohne Einschränkungen zu erfahren? Mein persönliches Ziel ist es, ein Jahr auf dem gleichen Standard leben zu können. Um sich auf dieses Szenario vorzubereiten gibt es eine relativ einfache Rechnung:

(Nettoeinkommen – Arbeitslosengeld) x 12 Monate

Ein einfaches Beispiel. Als Thomas von seiner Kündigung erfährt verdient er 1.860 Euro Netto im Monat. Da er in den letzten Jahren genügend in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, erhält er ein Arbeitslosengeld von 1.113 Euro für ein Jahr. Wenn er die Differenz von 747 Euro mit zwölf multipliziert, erhält er eine Summe von 8.964 Euro. Wenn Thomas diesen Betrag in seinem Notfall-Fonds gespart hat, kann er ein ganzes Jahr Leben, ohne die Befürchtung etwas an seinem Lebensstil ändern zu müssen.

Im Internet gibt es genügend ALG-Rechner, mit welchen du dein wahrscheinliches Arbeitslosengeld berechnen kannst. Kuck doch mal nach und überschlage die nötige Summe.

Gesamte jährliche Ausgaben

Ein anderer Ansatzpunkt ist, seine jährlichen Gesamtausgaben anzusparen. Dazu muss man natürlich erst einmal wissen, wie viel man im Jahr ausgibt. Hier bietet sich mindestens ein Kassensturz an. Noch besser ist es, die kompletten Ausgaben zu erfassen und aufs Jahr hochzurechnen. Was am Ende unterm Strich steht ist der Betrag für den Notfall-Fonds.

Möglichkeiten der Anlage

Nachdem du deinen Notfall-Fonds berechnet hast, stellt sich die Frage, wo das Geld hin soll. Die Matratze ist ein eher ungeeigneter Aufbewahrungsort dafür. Erstens ist das Geld im Falle eines Einbruchs in Gefahr. Vor allem aber entwertet die Inflation dieses Geld im Laufe der Zeit. Warum? Im besten Fall wird der Notfall-Fonds nie gebraucht und liegt dann jahrelang herum. Einmal angenommen, ein Betrag von 10.000 Euro liegt unter deiner Matratze und du musst ihn niemals nutzen. Nach 10 Jahren sind bei 2 % Inflation aus 10.000 Euro Kaufkraft nur noch 8.203 Euro Kaufkraft geworden. Das ist ein Kaufkraftverlust von fast 18 Prozent.

Besser ist es, dein Notgeld auf einem Konto zu parken. Bestenfalls auf einem Konto welches du nicht täglich nutzt und das auch noch Zinsen verdient. In meinem Augen stellt ein Tagesgeld-Konto die beste Anlageform dar. Zwar bekommt man derzeit nur um die 1,3 Prozent Zinsen pro Jahr, dafür ist das Geld täglich verfügbar, vor Diebstahl geschützt und geringen Risiken unterworfen.

Nicht auf dem eigenen Konto anlegen

Wieso ist es nicht ratsam das Geld auf dem Girokonto für den täglichen Gebrauch zu parken? Ein Grund ist, dass du kaum bis keine Zinsen dafür bekommst. Der viel wichtigere Grund ist jedoch psychologischer Art. Wenn du nämlich auf deinen Kontoauszug kuckst fühlst du dich – mehr oder weniger – reich und gibst somit viel leichter das gesparte Geld aus. Deshalb lege das Geld auf ein Tagesgeld-Konto und denk nicht mehr dran. Erst wenn ein Notfall eintritt solltest du darauf zurückgreifen.

Keine Panik!

Mit diesem Post möchte ich keine Panik verbreiten. Aber wenn es um die eigenen Finanzen geht sollte man konservativ an die Sache herangehen. Einen Notfall-Fonds anzusparen sollte die oberste Priorität in der Planung deiner Finanzen darstellen. Notfälle können jeden Treffen. Deshalb ist es besser darauf vorbereitet zu sein. Denn was sind die Alternativen? Kredite mit hohen Zinsen oder Einbußen der Lebensqualität. Und ein Notfall-Fonds hat noch einen riesigen Vorteil: er lässt dich Nachts besser schlafen.

Meine gebrauchte Waschmaschine hat damals leider nur ein Jahr gehalten. Aber bis sie den Geist aufgab konnte ich genügend Geld sparen, um mir ein sehr gutes Modell zu kaufen.

Hast du einen Notfall-Fonds? Wie hast du die notwendige Höhe berechnet? Oder findest du das Konzept einer finanziellen Rücklage nicht gut?

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