Wie mein Finanztag abläuft

Ein Schreibtisch mit Büchern und Laptop.

Dank an profernity für das Bild. (Lizenz: CC BY 2.0)

Einmal im Monat nehme ich mir Zeit und arbeite mich durch meine Finanzen. Dann wird jedes Konto überprüft und – wie könnte es anders sein – Zahlen in Tabellen eingetragen. Nur so erhalte ich einen kompletten Überblick. Außerdem baue ich einem möglichen Identitätsdiebstahl vor und kann den Fortschritt der Ziele die ich mir gesetzt habe überprüfen.

Das hier ist ein sehr persönlicher Artikel, da er meine Gewohnheiten wiederspiegelt. Nicht alle Punkte müssen für dich zutreffen, aber er gibt dir hoffentlich einen guten Überblick, auf was zu achten ist, wenn du ebenfalls einen Finanztag etablieren möchtest.

Wann ist der Finanztag sinnvoll?

Der Finanztag ist ein fester Termin in meinem Kalender. An jedem ersten Sonntag im Monat setze ich mich mit einem Kaffee an den Schreibtisch und gehe alle wichtigen Punkte durch. Sonntags habe ich die meiste Ruhe und Zeit für so eine Aufgabe. Außerdem sind bis dahin die automatischen Abbuchungen getätigt und ich kann auf aktuelle Kontostände zugreifen. Allgemein macht ein Finanztag in jedem Stadium auf dem Weg zur finanziellen Freiheit Sinn. Wenn du am Anfang stehst siehst du schnell, wie deine Schulden schmelzen. Bist du schon weiter fortgeschritten kannst du sehen, wie dein Investment-Portfolio größer wird und gedeiht.

Eine Checkliste gibt die Richtung vor

Piloten gehen vor Starts und Landungen Checklisten durch, um gefährlichen Fehlern vorzubeugen. Lebensbedrohlich wäre es zwar nicht, wenn ich den ein oder anderen Punkt am Finanztag vergesse – aber trotzdem ärgerlich. Deshalb habe ich mir im Laufe der vergangenen Monate eine Checkliste erstellt. Dadurch mache ich weniger Fehler und komme dadurch hoffentlich schneller zum Erfolg. Die wichtigsten Punkte auf dieser Liste sind unten aufgeführt. Die ersten Male dauert das Prozedere etwas länger, man wird aber schnell routiniert. Und damit geht es auch schon los.

Alle Konten prüfen

Als erstes überprüfe ich mein Girokonto, ob irgendwelche ungewöhnlichen Abbuchungen darauf auftauchen. Wäre das der Fall, könnte ich diese Abbuchungen rechtzeitig rückgängig machen. Durch diese Überprüfung erhalte ich Hinweise darauf, ob zum Beispiel eine Firma einen gekündigten Abbuchungsauftrag nicht storniert hat. Im schlimmsten Fall liefert es mir aber Hinweise, ob jemand mein Konto benutzt um seine Rechnungen zu bezahlen. Manchem mag das übertrieben wirken, aber meiner Meinung nach sollte man das Thema Identitätsdiebstahl nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Der nächste Schritt ist, dass ich das Guthaben auf meinem Konto auf ein Monatsgehalt vermindere. Der Restbetrag wird sofort investiert oder zum Schuldenabbau genutzt. Wieso mache ich das? Psychologie und Selbstkontrolle. Ich will nicht zu viel Geld auf meinem Konto liegen haben. Das würde mich dazu verleiten, das Geld auch auszugeben. Durch die Begrenzung habe ich zwar noch genügen Spielraum für ungeplante Ausgaben, trotzdem muss ich diszipliniert mit meinem Geld umgehen. Wenn der Kontostand gegen Null tendiert hilft nur noch gnadenlos zu sparen. In Zeiten mit bis zu 14,75 Prozent Überziehungszins für den Dispo ist es definitiv ein Tabu für mich, das Konto zu überziehen.

Als nächstes werfe ich einen Blick in mein Haushaltsbuch um zu sehen, welche großen Beträge im neuen Monat bezahlt werden müssen. Für diese habe ich in der Regel schon vorab gespart, weshalb ich jetzt nur noch den benötigten Betrag vom Tagesgeld- auf mein Girokonto überweisen muss.

Der nächste Check betrifft meine Kreditkarte. Ich bezahle die Bilanz meiner Kreditkarte jeden Monat komplett ab. Dadurch erspare ich mir hohe Zinsen. Außerdem würde ein nicht bezahlter Kreditkartenbetrag einen Kredit darstellen. Ein Kredit ist aber in den meisten Fällen – wenn nicht immer – schlecht für den Vermögensaufbau. Deshalb gleiche ich spätestens am Finanztag mein Kreditkartenkonto aus.

Wie geht es meinen Investments

Wie liefen meine Investments diesen Monat? Obwohl ich mir mein Portfolio mehrmals wöchentlich ansehe, tue ich das am Finanztag intensiver. Muss ich in Zukunft eine Position verkaufen oder habe ich genügend Cash, um bei einer günstigen Aktie einzusteigen? Ich überprüfe auch, ob meine Investments breit genug gestreut sind (Stichwort: Diversifikation). Vielleicht ist eine Umschichtung nötig, um mögliche Risiken zu minimieren.

Außerdem sichere ich mich spätestens am Finanztag gegen zu starke Rückschläge oder Einbrüche von Aktienkursen ab. Das tue ich mit einer Stop-Loss-Order, deren Wert ich dem dazugehörigen Aktienkurs anpasse. Grob erklärt ist ein Stop-Loss eine Reißleine, welche bei Unterschreiten eines Aktienkurses gezogen wird. Den Wert, an dem die Order ausgeführt wird, kann ich selbst bestimmen. Ein Beispiel: Eine Aktie hat den Kurs von 10 Euro, ich möchte mich jedoch gegen zu große Verluste absichern und setze einen Stop-Loss bei 8 Euro (was 20 Prozent Verlust entspräche). Unterschreitet der Aktienkurs 8 Euro, wird die Order ausgeführt und meine Aktien werden zum nächstbesten Kurs verkauft. In der Zukunft werde ich näher auf dieses Thema eingehen.

Ich bin noch ein kleiner Investor der mit geringen Beträgen handelt. Deshalb ist dieser Part recht schnell abgefrühstückt. Zudem habe ich immer einen Überblick über die wirtschaftlichen Erfolge und Misserfolge „meiner“ Firmen, was bösen Überraschungen meistens vorbeugt. In Zukunft möchte ich aber mehr investieren, wodurch der Blick in mein Portfolio immer wichtiger wird.

Die persönliche Bilanz aktualisieren

Im nächsten Schritt aktualisiere ich meine persönliche Bilanz. Dabei sehe ich mir jeden Posten in der Bilanz an und trage den aktuellen Wert ein. Das ist manchmal zeitaufwendig. Vor allem, da ich mich in verschiedene Konten einloggen muss – viele Onlinebanking-Systeme sind leider nicht die übersichtlichsten. So erhalte ich aber zumindest einmal im Monat einen kompletten Überblick. Und wenn im vergangenen Monat alles richtig gelaufen ist, darf ich mich über einen Kapitalzuwachs freuen. Darauf einen Schluck (mittlerweile kalten) Kaffee.

Jetzt schon das Steuerprogramm füttern

In diesem Punkt zeigt sich der Nerd in mir. Jedes Jahr mache ich meine Einkommensteuererklärung mit einer speziellen Software (ich nutze das WISO Steuer-Sparbuch*). Diese übernimmt alle relevanten Werte aus der Steuererklärung des Vorjahres und trägt sie gleich für das neue Jahr ein. Einen zusätzlichen Vorteil hat das Programm: ich kann relevante Rechnungen schon während des Jahres dort eintragen. Dadurch vergesse ich keine Rechnung und muss diese auch nicht mehr aus verschiedenen Papierstapeln heraussuchen. Wenn ich im neuen Jahr dann endlich alle Unterlagen zugeschickt bekommen habe, brauche ich für die nervige Steuererklärung nicht mal mehr eine Stunde.

Das war’s auch schon. Die Arbeit an der Steuererklärung war der letzte Punkt. Ich bin fertig und kann mich auf einen neuen Monat freuen. Vielleicht kommt dir mein Finanztag sehr verstaubt vor. Mir hilft er aber, einen ständigen Überblick über meine finanzielle Situation zu haben. Das lässt mich Nachts besser schlafen da ich weiß, dass ich auf dem richten Weg bin. Und in Wahrheit dauert das ganze Prozedere nur etwa eine Stunde – ist also gar nicht so äufwendig.

Ich bin gespannt auf deine Meinung. Nutzt du ebenfalls so einen Tag, um einen Überblick zu erhalten? Oder habe ich dich neugierig gemacht und du probierst es ebenfalls aus? Teile deine Meinung in den Kommentaren mit.

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Manuel,

    die Idee des Finanztags finde ich klasse! Ich persönlich nehme mir ebenfalls einen Tag im Monat an dem ich einfach meine Erfolge und Misserfolge „tracke“, meine Konten prüfe und meine Investments analysiere. Besonders die Idee mit der Checkliste finde ich gut, vielleicht wäre es an der Zeit mal selbst eine solche zu erstellen um effektiver zu arbeiten.

    VG Jan

  2. Sehr interessanter Artikel. Ich habe mir vor einigen Monaten angewöhnt mit einer Budgetapp zu arbeiten. Jede Summe die ich ausgebe trage ich dort ein und so habe ich immer schnell den Überblick wie viel Geld ich dieses Monat ausgegeben habe. Am Anfang vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert es nun super.
    Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich im Forexhandel tätig bin. Ich habe quasi jeden Tag meine Finanzen vor Augen. Mir wurde von http://www.tradac.info auch geraten ein Tradingtagebuch anzulegen. Das habe ich ebenfalls gemacht. Als es dann dort halbwegs lief, dass ich meine Trades eingetragen habe, habe ich irgendwann mit dieser App begonnen.
    Alles nur Gewöhnungssache

  3. Vielen Dank für diesen persönlichen Artikel.
    Viele deiner Punkte mache ich schon regelmäßig, im Moment täglich, da ich mich leider jetzt erst mit meinen Finanzen auseinander setzte. Deine Idee mit der Checkliste finde ich sehr gut, ich werde mir ebenfalls eine erstellen, und sehen, ob das zu meiner Arbeitsweise passt.

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