Wie weit bringt dich deine Sparquote?

Ein Wanderer auf einem Grat in den Alpen.

Dank an Gabriel Garcia Marengo für das Bild. (Lizenz: CC BY 2.0)

Montag sind wir darauf gestoßen, dass die Sparquote eine wichtige Größe ist. Je höher die Sparquote ist, umso schneller wirst du in den vorzeitigen Ruhestand gehen können. Du weißt jetzt also, wie lange du sparen musst, um finanziell frei zu sein. Aber wie lange wird das gesparte Geld dann reichen? Das ist die heutige Frage.

Als erstes möchte ich aber noch einen Hinweis zur Sparquote geben: Wenn du die Sparquote dauerhaft erhöhst hat das einen doppelten Effekt. Es erhöht erstens den Geldbetrag, den du monatlich zum sparen übrig hast. Und zweitens vermindert es dauerhaft den Betrag, den du zum Leben brauchst. Um eine Einführung in die Sparquote zu erhalten, lese einfach den letzten Artikel.

Das Ersparte soll ein Leben lang halten

Es gibt viele Finanzberater die meinen, dass man von seinem ersparten Grundkapital jedes Jahr 4 Prozent entnehmen darf, um im Ruhestand über die Runden zu kommen. Davon bin ich kein Fan. Erstens nimmt man dadurch immer mehr von seinem Sparbetrag weg, der die Lebenshaltungskosten deckt. Demnach wirft er im nächsten Jahr weniger Zinsen ab, im darauf folgenden Jahr noch weniger und so weiter. Ein zweiter Grund ist, dass ich meinen Kindern mal ein komfortableres Leben ermöglichen möchte, weshalb das Ersparte bestenfalls komplett erhalten bleibt. Drittens will ich mir in schlechten Zeiten die Möglichkeit offen halten, wenn nötig etwas vom Grundstock wegzunehmen um über die Runden zu kommen. Deshalb wäre in meinen Augen die 4%-Regel nur ein Sicherheitspuffer, von dem ich hoffentlich nicht Gebrauch machen muss.

Aus diesem Grund habe ich die Tabelle unten so erweitert, dass das Grundkapital im besten Fall erhalten bleibt. Folgende Annahmen wurden getroffen:

  • Die jährlichen Zinsen sind 4 Prozent und werden genutzt, um den Lebensunterhalt zu finanzieren
  • Der fiktive Netto-Monatslohn beträgt 2.000 Euro über die gesamte Sparzeit
  • Die Inflation wurde ignoriert, um das Beispiel zu vereinfachen
  • staatliche Renten werden ebenfalls ignoriert, da wir hoffentlich alle von einer vorzeitigen Rente ausgehen und dadurch die staatliche Rente nur spät und auch nicht in voller Höhe verfügbar ist
Sparquote (in Prozent) Arbeitsjahre bis zum Ruhestand Lebenshaltungskosten / Monat Zinsen / Monat Grundkapital
5 60 1.900 952,10 285.629,28
10 59 1.800 1.823,26 546.979,39
15 49 1.700 1.750,27 525.080,29
20 42 1.600 1.677,38 503.213,96
25 36 1.500 1.552,23 465.668,80
30 31 1.400 1.424,14 427.241,86
35 25 1.300 1.318,62 395.585,03
40 24 1.200 1.250,91 375.271,87
45 20 1.100 1.072,26 321.679,10
50 18 1.000 1.026,28 307.882,87
55 16 900 960,54 288.163,05
60 13,5 800 822,34 246.703,31
65 11 700 701,55 210.464,05
70 9,5 600 620,89 186.267,60
75 8 500 553,12 165.935,03
80 6 400 424,77 127.430,99
85 4,5 300 323,01 96.904,36
90 3 200 225,01 67.504,44
95 1,5 100 114,25 34.276,00

Bei einer Sparquote von 50 Prozent wird nach 18 Jahren dein Grundkapital 307.882 Euro betragen. Dieser Betrag wird 1.072 Euro monatlich an Zinsen abwerfen. Da du mit 1.000 Euro leben kannst, wirst du das Grundkapital nicht aufbrauchen und hast einen mächtigen Sicherheitspuffer für schlechte Zeiten.

Das Problem bei niedrigen Sparquoten

Anders sieht es bei den Sparquoten von 0 bis 20 Prozent aus. Dort gibt es ein kleines Problem. Angenommen, der Sparer beginnt seine Karriere mit 25 Jahren und hat eine Sparquote von 10 Prozent. Dann müsste er 59 Jahre arbeiten, damit er auf das nötige Grundkapital kommt. Demnach würde er mit 84 Jahren in Ruhestand gehen. Da das absolut nicht in unserem Sinne ist solltest du alles daran setzen, deine Sparquote auf mindestens 25 Prozent zu erhöhen.

Bei der 5 Prozent-Sparquote ist es zu Lebzeiten gar nicht möglich, das nötige Grundkapital anzusparen. Deshalb habe ich die Berechnung nach 60 Arbeitsjahren eingestellt. Der dann angesparte Betrag von 285.629 Euro würde bei einer Auszahlung von 4 Prozent für weitere 18 Jahre reichen, um zu überleben. Dann wäre der Sparer 103 Jahre alt. Vererben würde er in diesem Falle jedoch nichts.

Dieses Rechenbeispiel ist sehr theoretisch. Es bezieht beispielsweise die spätere Inflation nicht ein. Dafür werden aber auch mögliche Gehaltserhöhungen nicht mit einbezogen. Das alles ist also nur ein Richtwert.

Welche Sparquote peilst du ab sofort an? Und hast du Anmerkungen zur Tabelle?

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi,
    finde deine beiden letzten Blog-Einträge echt interessant. Spiele auch oft mit dem Gedanken nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten.
    Die Rechnerei mit den Sparquoten ist ja ne echt lustige Sache. Auch ich habe mir meine Sparquote ausgerechnet und am Anfang war ich sogar überrascht wie hoch sie ist! Jedoch hat das ganze einen meiner Meinung nach einen gewaltigen Haken ..
    Die Sparquote in diesem Fall bedeutet, dass das Geld tatsächlich für den „Ruhestand“ gespart werden muss und auch nicht für Auto, Haus oder Urlaub ausgegeben werden dürfte. Wenn ich Kosten für solche Anschaffungen (welche zwar nicht monatlich anfallen) abziehe, sieht die Sparquote gleich um einiges schlechter aus!
    Ich frage mich dann auch ob es einen glücklich macht, wenn man nicht mehr arbeiten muss, sich jedoch im Gegenzug auf das nötigste im Leben beschränken muss???
    Ich persönlich gehe (im Moment) lieber in die Arbeit und leiste mir dafür außergewöhnliche Dinge (Weltreisen, …) … vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich eine Arbeit gefunden habe die mir Spaß macht.

    Wäre interessant wie andere Leute das sehen!

    • Servus Matthias!

      Freut mich, dass dir die Artikel gefallen haben. Du hast natürlich nicht unrecht. Man soll sich im Ruhestand (egal ob man da noch jung ist oder alt) wohl fühlen und ein schönes Leben leben. Deshalb verzichte ich auch nicht auf ein wenig Luxus. Aber ich brauche nicht jedes Jahr ein neues Handy, ein neues Auto erst recht nicht. Weniger ist oftmals mehr.

      Was die Berechnung der Sparquote betrifft gebe ich dir teilweise Recht. Die Raten für den Urlaub sollte man tatsächlich nicht in die Rechnung mit aufnehmen. Wenn du aber für ein Haus sparst, dann gehen diese Raten definitiv in die Sparquote mit rein. Schließlich sparst du dir später einmal die Miete (bzw. Ratenzahlungen, wenn das Haus abbezahlt ist). Später werden deine Ausgaben dadurch definitiv gedrückt. Ebenfalls aufgenommen werden Rücklagen für den Notfall-Fonds.

      Wenn ich von persönlicher Freiheit spreche, also dem Umstand nicht mehr arbeiten zu müssen, heißt das nicht, dass ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr arbeiten werde. Es heißt vielmehr, dass ich auch einen Job für weniger Bezahlung machen kann, wenn er mir gefällt.

      Viele Grüße,
      Manuel

      PS: Eine Weltreise ist für mich auch kein verschleudertes Geld. Wenn du sie genießt ist sie das Geld bestimmt wert. Außerdem lernst du währenddessen auch viel, was dir später von Nutzen sein kann.

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